Style und Grün konsequent durchsetzen – wie soll das funktionieren?
Wer kann sich das leisten, ist doch grüne Mode oft teurer? Wo kann ich grüne Mode überhaupt kaufen? Diese Fragen halten viele Konsumenten davon ab, sich ernsthaft mit dem Thema nachhaltiger Mode in ihrem eigenen Kleiderschrank auseinanderzusetzen.
Doch selbst ohne den Wunsch, sich nachhaltig zu kleiden steht man häufig vor der Frage: Was brauche ich und was habe ich?
Hier eine mögliche Antwort:

„5 Piece Green Wardrobe“

Abgeleitet aus dem Begriff „5 Piece French Wardrobe“, welcher ein Prinzip bezeichnet, nach dem du deine Garderobe systematisch und saisonal bestückst. Die anmutig exzentrische Pariserin dient hier of als Vorbild und Stereotyp. Bekannt ist sie schließlich für ihr Talent stets die richtigen Elemente zur richtigen Zeit im Schrank zu haben und dabei zu wirken, als sei dies reiner Zufall.
Im Gegenteil: genau das ist es nicht.

Was ist nachhaltiger als dieser Gedanke? Ziemlich wenig. Darum wird kurzerhand die „5 Piece Green Wardrobe“ eingeführt. Das grüne Gegenstück zum französischen Vorbild. Der wesentliche Unterschied ist, dass der Fokus hier auf der Nachhaltigkeit liegt. Einzuordnen ist dieses Prinzip in die Slow-Fashion Bewegung, die Mode in Beziehung zur Kultur, Ökonomie und den Kommerz setzt. Slow-Fashion ist nicht das Gegenteil von Fast-Fashion, sondern eine neue Herangehensweise an die Stufen der Produktionskette von Mode. Dabei wird auf die nachhaltige und sozial-ethische Herstellung in allen Stufen geachtet. Slow-Fashion wird auch als Weckruf verstanden, nicht mehr unreflektiert in die Modespirale einzutauchen, gierig nach den neusten Trends. Es ist ein Appell an den Konsumenten, nicht bloß zu erwarten, dass Unternehmen das richtige tun, sondern selbst daran mitzuwirken – durch das Konsumverhalten.
Wäre es nicht fantastisch, wenn alle ihren Schrank zukünftig nach diesem Prinzip füllen würden? Mit Lebensmitteln funktioniert es schließlich auch!

Das Prinzip funktioniert so:
Basierend auf einer Grundausstattung an zeitlosen und hochwertigen Klassikern, werden jede Saison „nur“ fünf ausgesuchte Teile gekauft, die dem eigenen Stil gerecht werden und gleichzeitig den angestrebten Modegrad aufweisen.
Saisons gibt es zwei pro Jahr (Frühjahr/Sommer & Herbst/Winter).

Die Grundausstattung umfasst folgende Elemente:

Oberteile:
3 Basic T-Shirts
3 Basic Tanktops
2 helle schlichte Blusen
1 schwarzes Kleid aka „kleines Schwarzes“
1 schwarzer Blazer
1 schwarzer Cardigan und/oder Pullover

Hosen/Röcke:
schwarze Hosen
dunkle Jeans
schwarzer Rock

Jacken
Lederjacke
Trenchcoat
Winterjacke

Schuhe
Schwarze Pumps
Ankle Boots
Ballerinas/Sneaker

Accessoires
Klassische Uhr
Schwarze Ledertasche für jeden Tag

Selbstverständlich ist die Aufzählung als Vorschlag zu verstehen. Die ideale Grundausstattung, hängt von deiner Lebenssituation, dem Klima, eventuellen gesellschaftlichen Einschränkungen und modischen Vorlieben ab. Sie ist daher nur als Skizze zur Veranschaulichung zu verstehen. Auch ist der Vorsatz, eine komplett nachhaltige Garderobe zu besitzen schwer umsetzbar. Wichtig ist deshalb, dass es um ein Prinzip geht, nicht um Verbote. Jeder kauft schließlich nur das, was er möchte.

Nimmt man sich das Prinzip aber zu Herzen gibt es Anforderungen an die Basics und idealerweise auch an die Saisonteile:
Nachhaltige und soziale Herstellung (Stichwort: Grün!)
Material und Qualität sind hochwertig und haltbar
Ersetzen von Basics zählt nicht als Zukauf
Accessoires können auch häufiger gekauft werden
Strümpfe, Wäsche und andere Bedarfsprodukte sind keine Zukäufe

Kritiker des Prinzips werden fragen: Nimmt dieses Prinzip nicht jeden Spaß und Spontanität aus der Mode?
Nicht doch, wer echten Wert auf die Hintergründe in Sachen Herstellung seiner Kleidung legt, dem kann dieses Prinzip ungemein bei der konsequenten Durchsetzung seines Konsumverhaltens helfen. Allen anderen sowieso.

Vorteile, egal ob grün oder nicht sind (um nur einige zu nennen):

  • Du lernst deinen Stil genau kennen
  • Du kannst wichtige Elemente für dich identifizieren und dich in eine klare Richtung entwickeln
  • Du vermeidest Fehlkäufe
  • Du sparst Geld und gewinnst folglich Budget für bessere & schönere Teile
  • Du nimmst den Druck aus der Thematik „Mode“ und bist besser angezogen als die meisten Menschen

Vorteile der „5 Piece Green Wardrobe“ sind außerdem:

  • Du übst die Macht, die dir als Konsument zusteht bewusst aus, indem du gezielt grüne Mode kaufst
  • Du hilfst Überproduktion zu reduzieren, indem du weniger und selektiver kaufst
  • Du trägst gute Produkte und weißt das auch
  • Du hast deine Meinung durch dein Konsumverhalten manifestiert
  • Du kennst dich aus in der verwirrenden Konsumwelt und kannst dich uneingeschüchtert zurechtfinden

Der Vollständigkeit halber folgen hier noch die Nachteile des „5 Piece“-Prinzips:

  • Dein Kleiderschrank sieht nicht mehr nach kreativem Chaos aus
  • Du kannst nicht mehr 3 Wochen ohne Waschen leben
  • Du hast nicht mehr Unmengen von Kleidung, die du auf jeden Fall beim nächsten Flohmarkt verkaufst
  • Du kannst nicht mehr 10 Teile für 100 Euro kaufen

In diesem Sinne, grüne Ostern!

Quellen:

Bild: Aviva Winter

http://www.paulamontessketchbook.com/2011/11/going-minimalist-5-piece-french-wardrobe/

Business Punk Magazin, Ausgabe 03/2011, Dossier: Good Guys

Kirsten Diekamp, Werner Koch: Eco Fashion; Stiebner Verlag München, 2010, S. 17